Strömkarlen

songs from the north

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Edda Sånger (2019)

Part III: Runes & Rumours

1. Orð mér af orði

Othin‘s Rune-Chant (Odins Runenlied)

2. Ljóð ek þau kann

Songs I Know (Lieder kenn’ ich)

3. Vafþrúðnismál

The Song Of Vafthruthnir (Das Lied von Wafthrudnir)

4. Of rúnar heyrða ek dæma

Of Runes Heard I Words (Von Runen hört’ ich reden)

5. Hrafnagaldr

Othin‘s Raven-Chant (Odins Rabenzauber)

6. Þik skyli allir eiðar bíta

Sigrun‘s Curse (Sigruns Fluch)

7. Bjór færi ek þér

Beer I Bring Thee (Bier bring ich dir)

8. Sigrdrífumál

The Runes Of The Valkyria (Die Runen der Walküre)

9. Balders Draumar

Balder‘s Dreams (Balders Träume)

10. Óðrerir

The Winning Of The Poets‘ Mead (Die Gewinnung des Skaldenmets)

11. Fjölsvinnsmál

The Song Of Fjolsvith (Das Lied von Fiölswidr)

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Altnordische Lieder von Macht und Magie

Nach drei Jahren künstlerischer Neufindung im Quartett präsentieren wir nun ein weiteres Album mit zeitgemäßen, dramaturgisch dichten Vertonungen aus dem schier unerschöpflichen Fundus altnordischer Versdichtung, gemeinhin bekannt als „Ältere Edda“ oder „Dichter-Edda“. Inhaltlich steht diesmal die Macht der Runenmagie im Mittelpunkt, aber auch typische Wissens-“Duelle“ sind zu hören sowie die bekannte Gewinnung des Dichtermets Óðrerir durch Odin, wobei dieses Mal bewusst auf schwedische und norwegische Übersetzungen verzichtet wurde, also alle Gesänge im originalen Alt-Isländisch zu hören sind. Unsere von skandinavischem und keltischem Folk, aber auch anderen Einflüssen geprägte Musik, ist der Versuch, eine Brücke zwischen modernen Hörgewohnheiten und den sprachlichen und rhythmischen Eigenheiten der altisländischen Dichtung zu schlagen. Ob uns das gelungen ist, mag der geneigte Hörer selbst beurteilen.

Aufgenommen und abgemischt wurde das gute Stück im „Grünen Haus“ im Erzgebirge und im Dresdner Studio6 von Stephan Salewski, der vielen Titeln auch musikalisch mit seinem fantasievollen, bisweilen geradezu orchestralen Percussion-Spiel bereichert hat. Ebenfalls bei einigen Songs wieder mit von der Partie war der Klangkünstler Jan Heinke mit Didgeridoo und seinem unvergleichlichen, selbst entwickelten Stahl-Cello. Selbstverständlich steckt auch dieser, von Emanuel Uch (TheEmU Audio Mastering) gemasterte Tonträger wieder einem edlen Buch, in der Dresdner Buchbinderei Ludwig Nowak von Hand in Leinen gebunden und geprägt mit einer neuen Variante des „Yggdrasil“, des germanischen Weltenbaumes von Suhr (utopiq23), der auch das gesamte Layout gemacht hat.

Über dieses Album

Nachdem wir uns vor vier Jahren zum 10-jährigen Bandbestehen das erste Edda-Album in gediegener Buchform zum Geschenk gemacht hatten, spürten wir bereits, dass das Thema für uns noch nicht ausgeschöpft war. Zu viele spannende Geschichten und Dialoge von Göttern, Helden und Riesen waren schon in der engeren Auswahl gewesen, hatten aber entweder noch nicht die passende musikalische Form oder keinen rechten Platz im damaligen Konzept gefunden – oder waren schlicht aus Zeitgründen zurückgestellt worden. Besonders das faszinierende, in der eddischen Dichtung viel besungene Feld der Runen und Zaubersprüche schien noch etliche Lieder bereit zu halten. So blieb ein bereits abgestecktes künstlerisches Terrain zunächst „unbeackert“ und sollte noch einige Zeit erwartungsvoll brachliegen.

Seitdem hat sich einiges bei Strömkarlen getan, zunächst vor allem personell: 2016 zog es unseren früheren Mitstreiter Stefan Johansson nach 15 Jahren in Deutschland mitsamt Familie zurück in seine alte nordschwedische Heimat, was für das bis dahin eingeschworene Trio selbstverständlich einen tiefen künstlerischen und durchaus auch emotionalen Schnitt bedeutete. Glücklicherweise gesellten sich wenig später gleich zwei wunderbare, gleichermaßen kompetente wie herzliche Kollegen dazu, mit denen wir schon früher sowohl privat als auch beruflich durch andere Projekte verbunden waren: Caterina Other an der Nyckelharpa und Daniel Nikolas Wirtz an der Gitarre entpuppten sich als ideale Partner für einen gelungenen Neubeginn im Quartett. Um unsere Konzerttätigkeit nicht all zu lange auszusetzen, arbeiteten wir zunächst vorwiegend das damalige Material für die erweiterte Besetzung um, wobei neben den instrumentalen Arrangements insbesondere die Satzgesänge erneuert und nun durch eine vierte, weibliche Stimme bereichert werden konnten. Mit diesem schon bald zu einer wunderbaren Einheit zusammengewachsenen neuen Klangkörper machten wir uns schließlich daran, die vorübergehend beiseite gelegten, sehnsüchtig schlummernden Verse zu neuem musikalischen Leben zu erwecken.

Von Göttern und Helden

An dieser Stelle zunächst einige Informationen über die historischen Texte, die unseren Kompositionen als Grundlage dienen. Die sogenannte ältere Edda oder Lieder-Edda ist eine mittelalterliche Sammlung stabreimender Götter- und Heldensagen sowie von Spruchdichtung, deren Herzstück auch als Codex Regius bezeichnet wird, da die Handschrift im 17. Jahrhundert in den Besitz der königlich dänischen Bibliothek überging. Um 1270 als Abschrift einer etwas älteren, nicht erhaltenen Sammlung von einem einzigen Schreiber in Island angefertigt, gehört sie zu den ältesten verfügbaren skandinavischen Texten überhaupt (abgesehen von Runen-Inschriften auf Steintafeln und anderen Gegenständen). Sie gilt neben einigen Prosa-, Sach- und Gesetzestexten als wichtigstes Dokument, aus dem Kultur und Denkart der frühen Nordeuropäer zu uns sprechen, also der Völker, die zeitweise gemeinhin als „Wikinger“ bekannt waren, und zeugt von der erstaunlich hoch entwickelten mittelalterlichen Dichtkunst Islands. Zwar war die Christianisierung Nordeuropas zu diesem Zeitpunkt schon relativ weit fortgeschritten (was sich in den Texten auch subtil niederschlägt), doch geht man davon aus, dass Inhalte und zum Teil auch die Form der meisten Lieder bereits lange vor ihrer Niederschrift entstanden sind und seit Generationen mündlich tradiert wurden.

Die Sprache ist altisländisch oder, wie die Isländer selbst sagten: norrön bzw. dánsk tunga („nordische“ bzw. „dänische Sprache“), welche die norwegischen Siedler ab dem 8. Jhdt. Auf die Insel mitgebracht hatten. Trotz großer Vielfalt an Dialekten wurden Landessprachen kaum als solche wahrgenommen und waren bis weit ins Hochmittelalter so wenig ausdifferenziert, dass sich die meisten Nordeuropäer weitgehend problemlos verständigen konnten. Im Unterschied zum Vorgänger-Album, auf dem sich aus Band-historischen Gründen noch einzelne Vertonungen norwegischer und schwedischer Übersetzungen finden, haben wir dieses Mal ausschließlich die altisländischen Originaltexte in modernisierter Schreibweise verwendet, wie sie auf der norwegischen Website www.heimskringla.no freundlicherweise zur Verfügung gestellt werden.

Mittelalterliche Kollegen

Lieder werden die Verse nicht nur deshalb genannt, weil die Bezeichnungen für Gedicht, Lied, Rede, Erzählung etc. (altisl. ljóð, kviða, mál etc.) weitgehend synonym gebraucht wurden, sondern auch, weil die Verse tatsächlich von ihren berufsmäßigen Schöpfern und Bewahrern, den Skalden, gesungen vorgetragen wurden. Das steigerte den Unterhaltungswert und vereinfachte es in einer bis dahin weitgehend schriftlosen Kultur, sich die vielen Strophen zu merken. Gerade dieser Aspekt hat uns künstlerisch sehr gereizt, denn in Ermangelung musikalischer Aufzeichnungen sind die alten Melodien heute unbekannt (wenn auch vermutlich sublim in später entwickelten Liedformen und Gesangsweisen vorhanden), sodass wir uns gerne mit unseren heutigen musikalischen Ausdrucksmitteln der Vertonung dieser Gedichte gewidmet haben. Die Herausforderung lag dabei zunächst darin, aus den sehr umfangreichen Originaltexten überschaubare Passagen zu extrahieren, die halbwegs geschlossene Sinneinheiten ergeben. Dann mussten Melodien, Rhythmen etc. – ganz allgemein musikalische Formen gefunden werden, die einerseits mit dem ursprünglichen, für uns heute doch recht eigenwilligen Reim- und Betonungskonzept, andererseits mit Stimmung und Inhalt der Verse im Einklang stehen, ohne sperrig oder aufgesetzt zu wirken. Inwieweit uns das gelungen ist, mag der geneigte Hörer selbst beurteilen.